Tag 9

13.05.2018

Das perfekte Chaos

Nach einer weiteren Nacht auf dem innerstädtischen Parkplatz wachten wir in unseren Schlafgemächern auf und strotzten nur voller Tatendrang - Nicht.
Wir hätten gerne noch einen Tag mehr drangehängt aber das sollte nicht sein.
Also starteten wir wie alle anderen auch um 11:00 Uhr und machten uns auf dem Weg zur blauen Moschee - wie durch Zauberhand war der Auspuff bereits verschwunden. Die Fahrt war für istanbul´sche Verhältnisse relativ angenehm. Es gab natürlich die üblichen grenzdebilen Vollpfosten die der Meinung sind auf einer fünfspurigen Schnellstraße - auf den Fahrbahnmarkierungen - Rosen verkaufen zu müssen - ratet mal wer zugeschlagen hat, aber hey es war auch ein Schnapper - aber normal ist das nicht.
Nach einigen Minuten haben wir die blaue Moschee erreicht. Dort durften wir direkt vor der Moschee parken und es wurde uns mitgeteilt, dass wir erstmal 2 Stunden Freizeit haben. Diese haben wir genutzt und uns die blaue Moschee mit ihren imposanten Kuppeln und beeindruckenden Verzerrungen von innen angeschaut - ganz ohne Schuhe natürlich.
Da einer der Aufgaben die im Roadbook stehen heißt "lerne das Lied -Bruder Jakob- bis Istanbul" und wir dieses immer noch nicht vorführen mussten, sind wir davon ausgegangen dass dies bald eintreffen wird. Also wird erstmal Kaffee gekocht und Bernd und Grisly versuchten sich an den Instrumenten. Währenddessen blieben zahlreiche Passanten stehen und interessierten sich für unsere Autos. Der ein oder andere wollte uns seine gstingate Lederjoppen verkaufen aber die meisten haben sich für die Aufmachung unserer Autos und das große Ganze dahinter interessiert. Auf einmal gab es eine Durchsage, dass doch alle Rallyeteilnehmer mit ihren Instrumenten auf die Bühne kommen sollen.
Es war wunderschön.
Wie in einer Philharmonie trugen alle Mitfahrer ihr können zum Besten. Na gut es gibt geringe Verbesserungsmöglichkeiten, da sich die Musikinstrumente nach einem Autounfall und der Gesang nach einer Beschneidung mit rostigem Rasiermesser anhörte - aber davon abgesehen war es ein Träumchen.
Danach gab es die üblichen Danksagungen mit dem standardmäßigen Wir-sind-so-toll-gehabe aller Beteiligten Parteien. Klar gehört es dazu, aber die ständige gegenseitige Eierschauklerei geht schon auf die Nerven. Als jeder seinen Senf dazugegeben hat ging es endlich los und wir durften die Motoren starten.
Dass unser neuer V8-Sound sich besonders gut neben Istanbuls bekanntesten Wahrzeichen macht versteht sich von selbst - offiziell lauteste Karre der ganzen Rallye, sogar die verrückten Schweizer sind neidisch drauf.
Jetzt kommt die große Herausforderung:
In Kolonne 80 km durch die Stadt bis auf den Parkplatz des Türkischen Fußball Verband - TFF.
Das Problem, die Verkehrsteilnehmer scheißen sich rein gar nichts!
Egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer, ohne Rücksicht wird die Polizei ignoriert. Man musste sich richtig anstrengen dem Vordermann so aufzufahren, dass kein anderes Auto in die Schlange fährt - unmöglich.
Natürlich waren die Pfosten mit ihren Rosen auch schon wieder da und sie haben ihre Freunde mitgebracht - Sesamringe-Ali und Wasser-Hasan. Zusammen setzen sie dem von uns produzierten Chaos das I-Pünktchen auf.
Auch wenn die Polizei teilweise ganze Autobahnzubringer für uns sperrte passiert das unvermeidliche und Teile der Kolonne wurden voneinander getrennt. Unwissend dass das vorderste Fahrzeug keine Ahnung hat wo es hingeht fuhren wir Ewigkeiten hinterher bis wir den Entschluss trafen es selbst zu machen.
Und siehe da - es klappt. Nach drei Stunden trafen wir im Fahrerlager ein. Erstaunlicherweise nicht als letztes Team. Aber an Rast war nicht zu denken. Sobald wir uns hinsaßen kam die Ansage, dass es los geht mit dem Fußballspiel. Also Sachen gepackt und zum Fußballfeld gegangen.
Auf den Spielverlauf werde ich nicht weiter eingehen, denn mache Dinge muss man einfach gesehen haben. Nur so viel, die Stimmung war der Wahnsinn das Publikum ist so dermaßen ausgeflippt, dass sich manch ein Erstligist eine Scheibe abschneiden könnte - Allianzarena ist ein Witz dagegen. Das Spiel war Weltklasse! Bernd, dessen Anmut Christian Ronaldo mit Down Syndrom glich und Michi dessen aussehen und können Maradonna in den 40ern ähnelte dominierten das Spiel. Es endete mit einem triumphalen Sieg mit 6:2 für das Team Europa-Orient aus. Danach wurden wir auf ein Grillfest eingeladen und wir ließen es uns gut gehen.

Gefahrene Kilometer ca. 80km