Tag 4

08.05.2018

Wie polnische Fehrnfahrer....


06:00 Uhr.
Der Wecker klingelt.
Wir wissen jetzt schon dass wir heute eine Schippe drauflegen müssen, was Strecke angeht. Aber wie es nun mal so ist, ohne Kaffee geht nix! Also aus den Autos gekrochen und Kaffee gekocht. Noch immer breitet sich ein Schmunzeln über das Gesicht aus wenn wir darüber nachdenken, dass wir Bernds 32. Geburtstag auf dem vermutlich übelsten Parkplatz des Balkan verbrachten.
Ein kurzer Blick auf die Karte und Grisly gibt Entwarnung. Wir fahren nicht durch den Kosovo!!!
Voller Zuversicht starten wir die Motoren. Es ist schon wieder 07:15 Uhr und wir wissen einfach nicht wo wir so viel Zeit vertrödeln da wir eigentlich halb sieben geplant haben loszufahren. Aber egal wir müssen nicht durch den Kosovo was soll uns jetzt noch aufhalten.
Bei einer kleinen Pinkelpause kurz nach der Grenze zu Montenegro hat Bernd mit Tränen in den Augen und breitem Grinsen das andere Auto darüber aufgeklärt, dass es jetzt doch durch den Kosovo geht! Dementsprechend war die Vorfreude auf stundenlange Grenzkontrolle mit Untersuchung aller Körperöffnungen sehr groß. Auch der Gedanke an einer möglichen Verschleppung mit anschließender Schändung des Körpers und Organentnahme breitete sich aus.
Zunächst fuhren wir erst wieder nach Serbien wo es durch kleine Dörfer ging die sehr verlassen aussahen. Uns ist aufgefallen, dass die Häuser den Eindruck vermitteln unvollendet zu sein.
Mit Angstschweiß auf der Stirn und zusammen gekniffen Pobacken kam es zum Showdown und wir rollten langsam auf die kosovarische Grenze zu.
Der leicht untersetzte Zöllner - konnte natürlich fließend deutsch (kein Spaß!) - musterte die Autos wobei er sich mehr für die Bemalung interessierte. Für den professionellen Grenzer reichte ein einziger Blick in den vollgestopften Innenraum um festzustellen, dass wir nichts schmuggeln. Die einzige Frage die er uns dazu stellte war warum wir denn kroatisches Bier dabei haben und kein Paulaner. Schnell noch eine Versicherung für 15€ abgeschlossen und schon durften wir weiter. Verblüfft über die leichte Einreise fuhren wir durch ein paar Dörfer und Landabschnitte und mussten mit Erstaunen feststellen, dass der Kosovo in Bezug auf die Infrastruktur das schönste der Balkanländer ist. Selbst Häuser bauen sie hier fertig, da kann sich so manches Land ne Scheibe abschneiden. Nachdem wir vollgetankt haben ging es durch ein, zwei etwas größere Städte Richtung mazedonische Grenze. Unseren Plan haben wir aber ohne die kosovarischen Staßenbauer gemacht. Diese haben sich dazu entschlossen die Straße zur Grenze für einen halben Tag zu sperren.
Also mussten wir die Ausweichroute mit ca. 60 km Umweg in Kauf nehmen. Am Fuß eines Passes passierten wir ein kleines Dörfchen. Hier kam es fast zur einer Kollision.
Ein ca. zwanzigjähriger kosovarischer Fahrradfahrer, der anscheinend völlig fasziniert von unseren Autos und dessen Stammbaum garantiert kreisrund ist, hat sich dazu entschlossen mit starren Blick auf den Volvo 50 Meter vor uns die Straße zu überqueren. Daraufhin musste der Volvo eine Vollbremsung einlegen und um ein Crash zu vermeiden mussten wir auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Dies dachte sich der Fahrradfahrer wohl auch und hat kurzerhand eine Kehrtwende gemacht. Um Haaresbreite sind wir vor ihm zum stehen gekommen - ein leichtes Antippen der Stoßstange war unvermeidlich und hat gereicht um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Dann lag er da.
Sprang aber sofort wieder auf und hat sich ca. 54 mal entschuldigt.
Wir konnten also unsere Fahrt ohne Probleme weiterführen. Oben am Pass angekommen mussten wir feststellen, dass Kosovo sich gedacht hat, dass sie auch diese Grenze dicht machen...   
Angefressen von der gesamten Situation wurden wir gezwungen uns eine weitere Ausweichroute zu suchen. Wieder 100 km Umweg nach Serbien.
Zum dritten mal an dem Tag passieren wir eine serbische Grenze. Es verging aber nicht viel Zeit da verließen wir Serbien wieder und reisten in Mazedonien ein.
An der mazedonischen Grenze wurden unsere Papiere von zwei Grenzerinnen kontrolliert dessen aussehen stark an Paddy und Selma von den Simpsons erinnerte. Diese waren der Meinung dass die Versicherungskarte nicht für Mazedonien gilt.
Aber sei kein Problem die Gebühr beträgt 20€ und vier Menthol-Zigaretten für beide Autos. Diese sollten wir aber unauffällig in die Pässe legen damit es die Kamera nicht sieht.
Über Mazedonien ging es weiter nach Bulgarien.
Ein Blick auf die Karte verriet uns dass es noch ein sehr langer Tag wird. Über kerzengerade Landstraßen fuhren wir bis spät in die Nacht bis wir in Griechenland angekommen sind.
Restlos fertig stellte wir uns an einem Parkplatz neben einer Gärtnerei und krochen nach 19 Stunden Fahrt und 998 km Landstraße ins Bett.