Tag 11

15.05.2018

Ein Spatenstich fürs Wohlbefinden

Nach der Nacht im Erdogan Propaganda Camp im Hafen von Kozlu geht der Tag um 10:00 Uhr los. Die Startlinie wurde durch das fünf Meter große Banner mit dem Portrait des amtierenden Präsidenten signalisiert. Wir konnten es gar nicht erwarten dieses Loch zu verlassen. Die Stadt war ja sehr schön aber unter den Bedingungen bekam man Brechreiz.

Bevor es los ging bekam je ein Kind von jedem Team einen Schulranzen der von Scout gesponsort wurde. Auch wenn wir nicht Brief und Siegel darauf geben können, dass diese Kinder auf unsere Hilfe angewiesen sind, war die Freude in den Gesichtern Balsam für die Seele - mit der Hoffnung doch etwas positives in diesem Ort geleistet zu haben.
Danach fuhren wir zu einem nahegelegenen Dorf. Das Roadbook gab uns das Ziel am Kopf einer Klippe vor. Der Weg dorthin war auch schier unfehlbar, da die gesamte Polizei Anatoliens als Begrenzungspfahl umfunktioniert wurde und uns alle 20 Meter die Richtung vorab. Am Plateau angekommen wurden wir vom lokalen Polizeichef, Bürgermeister und Gouverneur empfangen. Bevor uns überhaupt klar war was wir hier besichtigen wurde uns 100 Mal versichert, dass die Sicherheit aller Rallyeteilnehmer die höchste Priorität hat. Dann erblickten wir die Ruine, ein ehemaliger Tempel dessen Umriss nur noch schwer zu erahnen war. Allmählich wurde uns klar, dass dieser Ort in dem wir gerade sind der Ganze Stolz dieses Dorfes ist. Still und leise schlichen wir uns von diesem riesen Aufgebot an Sicherheitskräften davon. Mit unserem flüsterleisen Volvo war das ja kein Problem...
Auf dem Weg zum Fahrerlager Bogazkale in der Nähe von Ankara machten wir zunächst halt bei einer Werkstatt. Da wir befürchten, dass innerhalb der restlichen Zeit der Rallye der Keilriemen des Volvos irgendwann nochmal den Geist aufgeben wird wollten wir vorsorglich schon Ersatz kaufen. Daraufhin ließen wir einen Mechaniker unter die Motorhaube schauen und versuchten im zu erklären, dass wir nur Keilriemen kaufen wollen und nicht wechseln. Danach griff der Mechaniker zum Telefon. Kurz darauf kam ein Auto vorbei und Michi wurde hineingesetzt. Da dachten uns bevor wir ihn an der nächsten Kreuzung ohne Nieren wiederfinden, fahren wir besser hinterher. Eine gute Entscheidung. Ein paar hundert Meter weiter sind wir zu einer der dicht angesiedelten Autowerkstätten vorgefahren. Mit offener Motorhaube versuchten wir mit Händen und Füßen zu erklären was wir wollen. Die Fragezeichen sah man förmlich in den Gesichtern, da der eingebaute Keilriemen ja noch in Ordnung ist. Nach einer halben Stunde Diskussion und dank Google-Übersetzer hatten wir das Gefühl, dass sie es Verstanden haben. Daraufhin nahm der Mechaniker den Schraubenschlüssel in die Hand und fing an zu schrauben. Wir vermuteten dass er die Keilriemen nochmal nachspannt. Einmal zu viel geblinzelt und schon hatte er zwei der drei Keilriemen in der Hand und lief in einen kioskgroßen Laden. Es verging eine kleine Ewigkeit und in der Zwischenzeit bot uns ein anderer Mechaniker Tee an den wir dankend annahmen. So schnell der Ausbau ging um so länger dauerte anscheinend die Beschaffung der neuen Ersatzteile. Eine halbe Stunde verstrich und plötzlich kam der Mechaniker aus einem völlig anderen Eck der Straße wieder, drückte uns die neuen Keilriemen in die Hand und fing an die alten wieder einzubauen. Wir bezahlten den Mann und setzten unsere Tour fort.
Über idyllische Landschaften mit unerwartet schöner Flora und Fauna, die man von Nord Italien kennt ging es durch leicht felsige mit recht üppigem Gras bewachsene Gegenden. Am Ende eines Feldweges an einem kleinen See haben wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen haben zwei unserer Mitfahrer die Gelegenheit ergriffen um mit Spaten ausgerüstet loszugehen um ein Ort zu finden sich zu erleichtern, zum anderen haben wir unsere mobile Dusche getestet. In jeder Hinsicht haben die Ergebnisse unsere Erwartungen übertroffen.
Frisch geduscht machten wir uns auf und fuhren über Landschaften mit Kilometerlangen Feldern. Gegen 19:00 Uhr kamen wir im Fahrerlager an und haben selbstverständlich wieder den Grill ausgepackt. Zum Leid der streunenden Hunde konnten wir noch einen Erfolg für uns verbuchen, denn zum erstmal haben wir es beim grillen nicht völlig übertrieben und mussten am nächsten Morgen keine Reste an die Hunde verfüttern.
So ging der Tag zu Ende auch wenn alle Triumphe die wir heute gefeiert haben menschliche Grundbedürfnisse sind sehen wir sie schon lange nicht mehr als selbstverständlich an. Und somit konnten wir mit gutem Gewissen - heute etwas erreicht zu haben - einschlafen.

Gefahrene Kilometer ca. 446